Oben oder Unten? Die wahre existenzielle Perspektive

In den Diskussionen um die politische Zugehörigkeit oder den weltanschaulichen Standpunkt bleiben die meisten Menschen in ihrem Schmalspurdenken auf der Schiene „Links-Mitte-Rechts“ kleben. Die Perspektive Oben-Unten wird übersehen. Wenn sich der gesamte Parteienblock der Systemparteien in seiner Ausrichtung tendenziell nach „links“ oder „rechts“ verschiebt, denn bleibt Mitte immer noch Mitte, obwohl sie unter Umständen schon bei Rechtsaußen angekommen sein kann.

Der Plan des herrschenden Systems ist es, daß sich die einzelnen Lager in ideologischen Grabenkämpfen aufreiben und ihr Pulver nicht gegen diejenigen verschießen, die es verdient hätten. Mit diesen Schablonen soll erstens verdeckt werden, wie die Interessenslagen tatsächlich angeordnet, d. h. wer der wirkliche Gegner ist und wer der wirkliche Bundesgenosse sein sollte. Zweitens soll mit allen Mitteln verhindert werden, daß der Mehrheit der Bevölkerung, die weitgehende Gemeinsamkeiten aufweist, sich dessen nicht bewußt wird und sie damit nicht auf die dumme Idee kommt, die Macht der Mehrheit für sich zu nutzen.
Im Artikel „Rechts oder links? Die politische Dreifaltigkeitslüge“ mit Folgekommentaren im Kritischen Netzwerk bringt es der Künstler und Blogger Wolfgang van de Rydt (Opposition24.de) trefflich auf den Punkt: „[…] dass alle, die nichts zu sagen haben, eigentlich gemeinsam an einer Stelle stehen: GANZ UNTEN!“ Peter Weber schreibt dazu: „Wir sind die Mehrheit: Wer die Mehrheit besitzt, hat die Macht, aber nur wenn Einigkeit und Solidarität besteht!“

Die Mehrheit an Einigkeit und Solidarität haben heute jedoch nur die Oberen. Das kleine Arschloch (A) hat seine Souveränität, seine eigene Macht abgegeben. Machen hat was mit Macht zu tun. Macht mal für mich, ich will mein Leben versichern und mein täglich Brot, geistige Eingebung und Spaß, darum folge ich dir und prostituiere mich.

Der in München lebende Grafiker, Autor und Filmemacher Wolfgang Blaschka beschreibt das von mir so gefürchtete kleine (A) wohl als Zwischenschichtler. Es sind genau die, welche die Mauer bauen zwischen den Ober- und Unterstadt, zwischen der Elite und dem Pöbel. Sie werden in der Mitte als Prellböcke gehalten und fühlen sich als Leistungsträger, merken jedoch nicht, daß sie sich besonders gut verheizen lassen. Die finden wir im kleinen Beamten, Lehrer, Freiberufler, Handwerker, Pensionär, Etagenmanager oder Vorstadtmillionär. Hauptsache, er kann sich monetär von den Schmuddelkindern abheben. Das gilt es zu verteidigen. Es ist sicher eine Leistung, das Risiko einzugehen, die eigene Bude abbrennen zu lassen, um den Zorn gegen die Elite abzufedern, wenn die Unterschichtler aufmüpfen, weil sie nichts mehr zu beißen haben. Soweit  kann er jedoch nicht denken. Sie waren Jederzeit die Stütze der Elite. „Gib uns unser täglich Brot und wir folgen dir“.

Von den Unterschichtlern geschaffene und durch die Zwischenschichtler A an die Elite abgelieferte Kornkammer bekommen diese gerade Mal so viel zurück, daß es reicht, sich über die Unterschichtler erhaben zu fühlen. Da lohnt es sich allemal, nach unten zu treten und nach oben zu buckeln. Das das kleine (A) frißt das frische Brot, der unter ihnen kann den Rest bei der Tafel oder im Container abholen. Wenn da kein Brot mehr drin ist, sollen sie doch nach Kuchen suchen.

Das heutige Drama liegt in der irren Annahme des As, wie die letzten Wahlen zeigten, daß er sich schon als Zwischenschichtler zur Elite zählt, wenn er auch nur einen Euro  mehr hat als die da unten. Den gilt es zu verteidigen. Manche brauchen etwas mehr um bei der Stange zu bleiben. Die nennen wir dann Manager.

Für meine Sicherheit sorgst du lieber unbekannter Weltenlenker, dem wir bedingungslos folgen, mit deinen Hilfstruppen aus Bankern, Politikern, Waffenfabrikanten, Geheimdiensten, Diplomaten, NSA und Bundespolizei. Für mein langes Leben ist Herr Kaiser zuständig – der mein Leben versichert. Meinen Spaß und die komfortable Schrottimmobilie, in der ich nun wohne, hat mir freundlicherweise der nette Herr von der  Sparkasse vermittelt.  Die neue Küche zu 0%-Finanzierung mit nur 299 €/Monat hat mich veranlaßt, das Aldi-Kochbuch zu kaufen. Darin fehlt nur das Rezept „Spaghetti Shebanese“. Meine Katze würde sich darüber vielleicht freuen oder vermutlich kotzen. 0%-Bio gönne ich mir seither als Ausgleich für die 0%-Finanzierungen. Fast vergessen: Der neue 0%-SUV für schlappe 99 €/Monat ohne Anzahlung hat mir sogar 1.000 € Kickback-Cash eingebracht. Die werden natürlich sofort zu meinem Stromlieferanten umgeleitet. Diese Finanzspritze kam gerade recht, da er mir gerade gedroht hat, den Strom abzustellen. Dabei hat er soviel, daß er ihn nachts heimlich verschenkt oder eine Abnahmegebühr an Pumpspeicherkraftwerke zahlt. Ich würde den Strom auch gerne nachts zum Heizen abnehmen, sogar kostenlos. Tagsüber habe ich den Abfallstrom ja bereits über die Grünensteuer bezahlt.

Egal, solange ich noch irgendwie das Geld für solchen Luxus aufbringe, sei es über Kickbach oder Kredit ohne Schufa, bin ich über die Sozialschmarotzer erhaben. Angela und Gabriel schützen mich davor. Der gleichnamige Engel hoffentlich auch. Mein SUV ermöglicht mir die tägliche streßfreie Fahrt zu meiner 100 km entfernten Baustelle, auf der ich als Bauleiter für achtfuffzig arbeiten darf. Die Zeitarbeitsfirma hat es ermöglicht, da du lieber Arbeitgeber keine Fachkräfte auf dem freien Markt gefunden hast, obwohl ich für dich in der Vergangenheit als Freiberufler nach der Gebührenordnung mit Auszeichnung gearbeitet habe, die mir ein auskömmliches Leben ermöglichte. Es war sogar noch genügend Netto vom Brutto für die Krankenversicherung, die Einkommensteuer und den Bio-Laden übrig. Sogar ein neuer Volvo war ohne Kredit drin.

Nun, ich will nicht meckern. Die Wettbewerbsfähigkeit fordert seinen Tribut. Es ist ja auch eine gute Sache, für die ich für lausige achtfuffzig arbeite. Ich bin stolz, die Verantwortung  für einen Neubau neben dem Maintower zu haben, der noch höher wird als der der Deutschen Bank. Immerhin ist es das wichtigste Gebäude, das hier gebaut wird. Auf der Bautafel steht: „Hier entsteht das Gebäude der Europäischen Kommission mit 10.000 neuen Arbeitsplätzen zum Abbau der Bürokratie.“

Inzwischen habe ich auch 9.100 Facebook-Freunde, die mich um den Job beneiden. 10.000 schaffe ich locker und freue mich auf den Bauleiter- Award von RTL. Die 500 € Gage werden selbstverständlich der Deutschen Umwelthilfe gestiftet. Die sorgt schließlich dafür, daß jede alte Schrottkarre, die in die Stadt reinfährt, angezeigt wird. Mein neuer SUV hat eine grüne Plakette. Ätsch!

Meinen Job verdanke ich dir lieber Arbeitgeber. Dabei gebe ich dir die Arbeit und nicht du mir. Macht nichts, Hauptsache, daß du dein Haus, dein Pferd und deine Pferdepflegerin, die auch den Schwanz pflegt, damit finanzieren kannst. Wenn es dem Chef gut geht, geht es auch mir gut. Wenn es dir nicht gut geht, muß ich mich anstrengen, damit es dir wieder besser geht. Dann geht es mir auch wieder besser. Also strenge ich mich an, damit es dir besser geht. Spätestens im nächsten Jahr geht es mir dann auch wieder besser, so deine Rede. Dir folge ich lieber als den Pfaffen, die mir das gute Leben erst im Jenseits versprechen. Wenn der Aufschwung dennoch nicht klappen sollte, habe ich ja noch das „Wort fünf vor Sieben“. Fünf vor Sieben kann ich mir das im Radio reinziehen, im Wort zum Alltag. Durchhalten, die Botschaft seit Jahrtausenden. Da muß doch was dran sein. Im Jenseits wird alles besser. Nun, ich habe mir schon Mal mein Haus, mein Leben im Jenseits entworfen. Als Bauingenieur mit Phantasie fällt mir das nicht schwer. Es wird mir aber nur zuteil, wenn ich fleißig weiter Kirchensteuer zahle. (Bekenntnis eines selbsternannten kleinen (A))

Die früheren Dorffeste und Volkstänze waren nicht nur Balztänze. Freiwillige Feuerwehr, Vereine, die heute kaum noch Nachwuchs finden, stärkten die Gemeinschaft im Dorf. Die Feiertage waren früher unabhängig der Pfaffenbeeinflussung ein Mittel zur Stärkung der Seele, um die Widrigkeiten des nächsten Jahres zu ertragen. Warum wohl wurde uns diese alte Kultur weitgehend als uncool ausgetrieben? Feiertage haben sich zu Konsumterror mutiert. Lethargisch Wetten daß, Tatort, Geschwätz von Franzl, Angela oder Gauck reinziehend oder einen dreihundert km langen Autostau überwindend mit Familienkrach zum nächsten Freizeitpark im geleasten SUV donnernd, auf die Idioten vor  ihnen schimpfend, die ihnen die freie Fahrt versperren. Das empfindet das kleine (A) als Freiheit. Jeder für sich, sonst ist es keine Freiheit. Nichtahnend, daß er damit einen wesentlichen Beitrag zur Zerstörung dessen leistet, was Menschlichkeit ausmacht – für- und miteinander dasein. Das kleine (A) fühlt sich auch dann noch oben, wenn er einen sicheren Standpunkt hat. Sei es auf der Leiche seines Nachbarn, der gerade verhungert ist. Er steht ja noch ohne Ketten.

Die Zwänge der früheren Dorfkultur sind heute nur noch für Spießer wichtig. Die Einigkeit und Solidarität findet der informierte Mensch im Bordcomputer und im Tachometer. Mit nur 5,9 L Sprit kann er getrost sich eins fühlen mit der Umweltpartei. Man tut ja sonst nichts für die Umwelt, außer Sondermüll als Wärmedämmung auf die Fassade pappen und Solarmodule auf das Dach zu kleben, die 20 Jahre Gewinn bringen (sollen) und  H4ern die Existenz kosten. Mülltrennung nicht vergessen. Ich mach das auch. Wenn meine Mülltonne voll ist, werfe ich den Müll in die Tonne des Nachbarn. Der hat mich angezeigt, obwohl seine Tonne leer war. Soviel zur Einigkeit. Selbstbewußt die Kreditkarte beim Tanken ziehend, läßt er sich noch ein BILDungsangebot draufladen.  Das ist die Mehrheit, die Macht haben soll, lieber Peter Weber. Ab in die Achterbahn. Die Tochter lädt den doppelten Würgburger in 80 m Höhe wieder aus. Das läßt auf eine klügere Jugend hoffen

Wir sind die Mehrheit, wie Peter A. Weber dennoch richtig feststellt, aber nur wenn wir auf eine klügere Jugend hoffen. Diese Generation schafft es nicht mehr. Die Mehrheit bringt nichts, wenn das Bewußtsein angstbesessen korrupt und kollektiv unten ist.

Das kleine (A) ist auch unten. Eigentlich sind alle unten. Wir haben alle einen Tiefpunkt der Evolution, die Devolution erreicht. Es war sicher einmal besser und klüger um die Menschheit bestellt, wie alte Märchen beschreiben. Ich liebe Märchen. In der Ergänzung, in der Kraft des einen die Kraftlosigkeit des anderen zu kompensieren, durch Empathie auch Konflikte lösen, durch salomonische Urteile oder durch sexuellen Ausgleich, (beobachte mal die Affen im Zoo, wenn Streß entsteht) liegt die Menschlichkeit, im bedingungslosen Füreinander da sein.

Herrmann Hesse fällt mir ein um nicht zu verzweifeln „Die Hölle ist überwindbar“. Leider auch sein Glasperlenspiel, dessen Ende auch Ulrich Horstmann beschreiben könnte.

Heute stärken sich nur noch die Oberen durch gegenseitige Selbstbeweihräucherung, scheinheilige Einigkeit, Solidarität und tanzen den Tango Korrupti.  Die oben tanzen den Dance for Money, die unten sehen zu und träumen davon, bevor der Wecker zum Apell klingelt. Das Kind noch schnell zur KiTa und ein Handyfoto von mir an die Kölner Denunziationsbehörde schickend, da ich an der Bushaltestelle davor geraucht habe und die gesunde Welt für das kleine (A) ist gendermainstreamgerecht mit einer Belehrung wieder in Ordnung. Ich verzweifle langsam am kleinen (A). Solange sich das kleine (A) sein selbstgebackenes Brot freiwillig an die Oberen abgibt und mit den Krümel, die es zurückerhält noch sattessen kann, wird es die Mehrheit bleiben, die Mehrheit der Machtlosen, die Sklaven. Die Bewußtlosigkeit, die Machtlosigkeit hat es sich selbst geschaffen.

Das menschliche Drama wird in allen Philosophien immer nur von oben nach unten oder umgekehrt betrachtet. Das Kreuz in der christlichen Tradition symbolisiert nicht nur einen Weg von oben nach unten, sondern auch einen horizontalen ohne das Spannungsverhältnis zwischen oben und unten. Warum gehen wir diesen nicht? Warum hat kein Pfaffe den Mut, diesen zu predigen? Bis es so weit ist, wird weiter mit lächerlichen Ausfallschritten im vertikalen Kreis getanzt.

Der Legislatur-Periodentanz hat den gesunden bodenständigen horizontalen Volkstanz abgelöst.
Merkels Tanzlehrer:

links Mitte rechts und zurück zur Mitte,

Ausfallschritt nach rechts und zurück zur Mitte.

In die Hände klatschen und singen:

„Es grünt so grün, wenn Bankers Blüten blühen“,

Ausfallschritt nach links und zurück zur Mitte.

Die Frau das Knie hoch in Partners Mitte,

mit ihm in die Knie und gemeinsam wieder hoch,

in die Hände klatschen und singen:

„Es grünt so grün, wenn Bankers Blüten blühen“,

die Mitte ein Schritt vor, die links von der Mitte einer zurück,

und nun umgekehrt:

„Es grünt so grün, wenn Windräder glühen“.

Tschakka tschakka, Cha-Cha-Cha Obama, baba baba,

eine Links- und Rechtsdrehung, vor und zurück,

abwechselnd die Hand nach hinten oben offen,

den anderen Mittelfinger nach unten.

Gut fürs Erste, ihr dürft euch wieder in die Bank setzen und ausruhen,

nach den nächsten Wahlen üben wir weiter.


Erstveröffentlichung in: http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/oben-oder-unten-die-wahre-existenzielle-perspektive Helmut Schnug (Admin) hat diesen Artikel mit Bilder aufgehübscht. Danke dafür.

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