Raus aus dem Teufelskreis.

Lange Jahre habe ich mir Gedanken gemacht über das Elend, das sich die Menschen auf unserem Planeten gegenseitig zumuten. Egal von welcher Seite ich das Thema betrachtete, das Ergebnis meiner Erkenntnis war immer – Schuld am armseligen Leben (auch an meinem), Leid und Elend sind immer die Anderen. Zeitweise machte ich meine Eltern und Lehrer als die Übeltäter aus, mit wachsendem Intellekt (Was ist denn das, fragt Ludwig dazwischen.) die Bonzen, Politiker, Elite, Illuminati und Arschlochgötter. Na dann ist ja alles gut. Daran kann ich eh nichts ändern. Also versuchte ich das Beste daraus zu machen. Das funktioniert am Sichersten im Hamsterrad. Darin kann ich es mir richtig gemütlich machen, wenn ich mitstrample – kann ja nur aufwärts gehen. Aber irgendwie war das nicht befriedigend. Was also tun um das zu ändern? Wer gibt mir Antwort darauf. Den lieben Gott um Rat bitten? Das habe ich schon als Kind aufgegeben. Sonst hätte er mir nicht solche Scheißeltern und -lehrer aufgebrummt. Von dem kommt also nichts – von seinen Außenposten noch weniger. Äußerlich immer mehr wachsend mit dickem Volvo und so, im Hamsterrad immer schneller tretend – da muß man wegen der Enge dort nicht zimperlich sein, wenn man auf andere Pfoten und Köpfe tritt, man muß ja nicht selbst Aua schreien – verkümmerte das Innere zunehmend. Also muß es noch was anderes geben, das die Seele beruhigen könnte. Der Zufall wollte es wohl so, daß rechtzeitig Lösungen von zunehmender Depression ohne Pillen nehmen in Aussicht waren. Der Zug hatte wieder mal Verspätung  und ich schmökerte in der Bahnhofsbuchhandlung. Neben den Regalen mit den Hochglanzseiten für dicke Autos und sonstigen wichtige Dinge, die die Seele beruhigen sollen, war das zu finden, das ich suchte. Das hatte ich der Bundesbahn zu verdanken, die wieder mal Verspätung hatte. Die Bundesbahn ist also nicht nur für den Transport ins Hamsterrad zuständig, sondern auch klammheimlich für radikale Veränderung des Lebens. Wie sonst wäre ich auf die Zeitschrift (auch Hochglanz) gestoßen, die mein Leben radikal verändern sollte. Den Namen der Zeitschrift habe ich vergessen. Würde sie auch niemanden mehr empfehlen.

„Du bist dein Glückes Schmid“ und Tschakka, tsakka – du schaffst es – denke positiv.“ Neben einer aus verständlichen Gründen nur halbnackten Wassernixe, die sich um den Baum der Erkenntnis räkelte, grinste mich das Titelblatt an. Das isses, dachte Ludwig und kaufte gleich zwei Exemplare. Doppelt gelesen hält besser dachte er. Von der Zeit danach, der nächsten fünf Jahre möchte er eigentlich nichts berichten. Die Zeit ist auch gelöscht. (Anm.: Wenn abwechselnd ich und Ludwig da steht, dann ist das nur der multiplen Persönlichkeit gewürdigt.)

Jahre später, nachdem ich durch vielversprechende Werbung, teils teure Esoterikseminare und Gurus besucht hatte, die alle nur mein Bestes im Sinne hatten – mein Geld, wurde mir eines klar: Hätte ich es in einen neuen dicken Volvo investiert und die Zeit auf dem Golfplatz verbracht, wäre diese Ausbrunst der vorsätzlichen Irrlehre weniger am Leben. Meine neue Welt des positiven Denkens hinter der rosaroten Brille brach innert kurzer Zeit zusammen mit der Erkenntnis – Damit änderst du gar nichts, weder in dir noch da draußen, noch im Ludwig. Vernebelst nur dein Hirn und verhinderst Klardenken. Nur ein einziger Guru, der nicht so genannt werden wollte, der inzwischen verstorbene Buszia Wucher aus der Schweiz, lehrte mich in jeder Situation Gelassenheit zu üben. Das hat mir viel gebracht. Ludwig – also meine zweite Persönlichkeit – schwänzte des öfteren. Damit sind auch seine öfteren Wutreden zu erklären, während ich selbst inzwischen meine Gelassenheit schätze.

Die Brut der Pfaffen in unheimlicher Allianz mit dem Geldadel haben die Esoterikszene zur ‚neuen Religion‘ aufschwingen lassen, selbst die abstrusesten Sekten heimlich gefördert weil ihnen immer mehr Schafe abhanden gekommen sind. Das führt aber heute zu weit weg vom Thema und wird zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Buchrezession von Esther Vilar näher beäugt. Lest mal das Buch von Esther Vilar: Die amerikanische Päpstin. Die beschreibt das Thema knüppeldick. Ein wahres Feuerwerk, was abgeht in nächster Zeit, wenn wir so weitermachen. Die toppt alles, was die sog. Verschwörungstheoretiker so von sich abgeben. Das Heimholungswerk in die zentrale Hölle in Rom beschreibt sie.

Wollte eigentlich nur sagen, daß jegliche Fokussierung auf die sog. Schuldigen für das Übel in der Welt uns im bekannten Kreislauf – dem Teufelskreis hält. Weder Kirche noch sonstige Gehirnwaschanstalten wie die klassische Schule oder Esoszene helfen uns da raus. Im Gegenteil, sie sorgen damit, daß alles beim Alten bleibt, bzw. noch schlimmer wird.

Jegliche Aufregung über das herrschende System ist Energieverschwendung. Selbst die Beschäftigung mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichte hält uns unten – unten im Teufelskreislauf. Um die wahre vollständige Geschichte zu ergründen, müßten wir ohnehin  die Geschichte jedes einzelnen Akteurs kennen um aus den Puzzelteilen das Gesamtbild zu formen. Einzelne Akteure rauszugreifen, muß zwangsläufig ein verzerrtes Bild geben. Ganz verzerrt  wird es, wenn wir einzelne Zeitdokumente, die gerade greifbar sind, dazu nötigen. Noch verzerrter und in das Reich paranoiden Fantasie wird Geschichte, die nur ein paar Scherben, verbuddelte Knochen oder zerbröselte Bausteine als Beweis für eine frühere Hochkultur schult. Ich stell mir gerade vor, als Archäologe einen halb zerbröselnden Sandstein in fünfhundert Jahren zu finden und mir daraus einen Kölner Dom zu fantasieren. Brauche dazu nur ein paar vollbesoffene Maler und schon bekomme ich den Nobelpreis für besondere Intelligenz. Akademische Dreigroschenromane halt, die nur zu einem dienen – uns zu unterhalten – geistig unten zu halten. Selbst die Fabeln von Atlantis gehen Ludwig am Arsch vorbei. Geschichte ist nicht nur Historik. Geschichte ist auch Schule, die uns formt. Wohin uns das bisher geführt hat, brauche ich nicht aufzubröseln. Sie hat uns keinen Deut weitergebracht in Richtung Menschwerdung.

Was haben wir also von Geschichte? Ein unsinniges Gepäck, das wir mit uns herumschleifen, ohne wirklich zu wissen, was drin ist. Selbst die Geschichte unserer Eltern können wir nur nebulös wahrnehmen. Sie ist geformt und gefärbt von ihren eigenen  Wahrnehmungen, die sie selbst mit größter Liebe uns Kindern nicht vermitteln können. Das ist eines der Probleme, warum wir Kinder aus der Geschichte nichts – aber auch gar nicht lernen und immer die gleichen Fehler machen. Nur aus der Geschichte lernen ist also dummes Zeug. Der Mensch hat noch nie daraus gelernt, außer der verfeinerten Form der gegenseitigen Pisackung, die zu seinem Untergang führen wird. Die Evolution und ein gesundes Miteinander hat jede Katze besser inne als der Mensch. Warum? Die schleift diesen Rucksack nicht mit sich rum. Lebt im Jetzt und macht das Beste daraus – tut nur  das was ihr an Schöpferkraft mitgegeben wurde. Von wem auch immer ist wurschd.

Zum Glück gibt es auch inzwischen weitere Aufgewachte, die das erkannt haben und  neue Formen unseres gewaltfreien Miteinander einüben. Solche möchte ich hier vorstellen:

Was Schauspieler, Theaterleute und Komiker bewirken können, haben wir bereits in Island bewundern können. Hier nochmals zur Erinnerung: https://bumibahagia.com/2014/08/18/von-den-erfolgreichen-amateuren-in-reykjavik-lob-dem-tagi/

Während die Verrückten von Reykjavik nur das herrschende System für kurze Zeit aufmischen konnten, gehen diese Theaterleute einen Weg, der vielversprechend für einen grundlegenden Gesellschaftswandel sein könnte.

 

planet-love

Was ist RealTheater?

Durch Theater ist ein gesellschaftlicher Wandel zu
mehr Frieden und Freiheit möglich. Da in der
schauspielerischen Praxis mit dem ganzen
Menschen, mit Emotion, Psyche, Geist und dem
ganzen Farbkreis der Möglichkeiten gearbeitet
wird, kann Theater einen wichtigen Teil zur
Entwicklung eines sozialen Paradigmenwechsels
beitragen.
Durch die künstlerisch-spielerische Gruppenarbeit
können alternative Handlungsmuster für eine
zukunftsfähigere Realität gestaltet und erprobt
werden. Es ist möglich, Theater und Realität zu
verschmelzen! Theater kann dadurch zur
Denkfabrik und zum Baukasten einer neuen
friedlicheren Kultur werden.
(Projekt RealTheater)

Zum Einstieg empfehle ich das Radiointerview zu lesen:

Ein Radio-Interview/Radiofeature zum philosophischen Thema „Wie real ist die Realität“ über den Radikalen Konstruktivismus und das Projekt RealTheater von Julia Schütz (Weimar) mit Hans Mack alias Neo von Terra:

Julia Schütz:
Das Modell des RealTheaters basiert auf der Philosophie des Radikalen Konstruktivismus, wonach wir die Welt nicht einfach vorfinden, sondern unsere Welten erfinden. Eine dementsprechende Geisteshaltung charakterisiert der Philosoph und Psychotherapeut Paul Watzlawick in drei Punkten: Das sind zum einen die Freiheit, seine Wirklichkeit immer wieder neu zu erschaffen, zweitens verantwortungsbewusstes Handeln, da der Hinweis auf Sachzwänge oder die Schuld anderer Menschen nicht mehr offen steht und drittens die Toleranz, auch allen Anderen die Möglichkeit zu geben, ihre Wirklichkeit frei zu konstruieren. Kann man davon ausgehen, dass die Teilnehmer in ihrer neu gewählten Rolle freier, verantwortungsbewusster oder toleranter agieren, als zuvor?

Neo von Terra:
Ja, viel freier, viel toleranter und viel verantwortungsbewusster.
Toleranter und freier – weil man seine Schatten, innere Impulse und Wünsche ausleben kann, unabhängig von üblichen sozialen oder gesellschaftlichen Tabus.
Auf der RealTheater Bühne herrscht künstlerische Freiheit. Die soziale Gruppe akzeptiert hier ein Verhalten, dass im normalen Leben zum Einsatz von Polizei und Zwangsjacke oder zu ernsten Schlägereien und echtem Hass führen würde. Wir grinsen nur darüber und amüsieren uns über die Vielfalt und Buntheit der Möglichkeiten unserer Spezies.
Verantwortungsbewusster ist es deshalb, weil wir als künstlerisches Ensemble gemeinsam auf uns alle aufpassen. Die wichtigste Bühnenregel, neben der Stop-Regel, um zusammen miteinander spielen zu können, lautet: Keinem darf real etwas Schlimmes passieren, denn dann wäre das Spiel vorbei und das kann keiner wollen.
Beim Schauspiel ist das Intuitive auf unserer Seite, es ist leicht, diese Spielregel zu beachten.

Julia Schütz:
Eine der Voraussetzungen für ein positives Ergebnis des Experiments ist es, dass im Spiel vorwiegend Best-Case-Szenarien geschaffen werden. Konflikte sollen im Bereich des spielerischen bleiben, da sie durch den Abstand zwischen ‚realer‘ Person und Rolle unpersönlich werden. Ist das nun ein Schritt in Richtung Frieden oder einer in Richtung Eskapismus?


Das ganze interview hier: http://www.neoexpressionismus.de/realtheater/radio-interview.htm

Ich bin fasziniert von diesen Klardenkern, die alle eingesessenen Pfade verlassen, die uns nur im Kreis – im Teufelskreis herumführen und spielend verkrusteten Strukturen aufknacken,  in dem sie die bisherigen Zuschauer mit auf die Bühne nehmen. Die passive Rolle des Konsumenten war gestern. Er wird zum Mitgestalter seines gesamten Umfelds. Durch die wenigen klaren Bühnenregeln – mehr Regeln und Gesetze braucht keine aufgewachte Gesellschaft – bekommt jeder sofort ein unverlogenes klares Feedback auf seine Handlung und kann die unmittelbar korrigieren. Wenn nicht, hat er die Bühne zu verlassen.

Im bisherigen Miteinander ist dies seltenst gegeben. Durch falsche Rücksichtnahme, oft aus Angst oder unterwürfige Anbiederung werden selbst die größten Sauereinen beklatscht und gutgeheißen.  Wie kann sich dann der blöde Sau spielende verändern, dem dies oft selbst nicht bewußt ist?

Das Buch http://www.neoexpressionismus.de/realtheater/images/ebook–neo-von-terra–nur-fuer-verrueckte.pdf sollte sich jeder zur Pflichtlektüre machen um die Themen Schule, Erziehung, Eigenverantwortung und Konfliktlösung in einem neuen Licht sehen. Es werden darin keine utopischen Lösungen vorgestellt, sondern  leicht Umsetzbare.

Dieser Beitrag ist auch bei meinen Freunden in https://bumibahagia.com/ zu lesen.

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