Scan&go zur Hölle und der angefressen Schinken

Tschuldigung, sie müssen jetzt gehen – wir haben bereits geschlossen, sprach mich ein freundlicher Herr mit geschultem Lächeln von der Seite an. Erschrocken, aus einer Art Tagtraum aufgewacht, sprang ich von der Bank hoch, die in der Kassenvorzone des Einkaufszentrums steht. Wie lange sitze ich schon da und wo ist meine Einkaufstüte? Es verging eine unendliche Zeit oder waren es nur Sekunden, bis ich mich erinnerte, wo ich war. Ach ja, ich bin gar nicht bis zum Einkaufen gekommen. Ein Regal voller Handys mit Pistolengriff in dieser Laufmeile, die allerlei Leckerli noch nach dem Einkauf bietet, hat mich wohl in Trance, in eine andere künftige Welt des ‚Sinn des Lebens‘ versetzt.

scan&go

Aber der Reue äh der Reihe nach. Was war ich bis zu diesem Tagtraum nur ein armseliges Würstchen, das der Mühsal des Einkaufs mit richtigen Menschen hinter dem Tresen als ewig Gestriger noch etwas abgewinnen konnte. Im Alter bleiben im Hirn meistens nur die „oberflächlich“ schönen Erinnerungen. Daher die Träumerei von der schönen alten Zeit. Wobei ich diese erst nach meiner Kindheit schätzenlernte.

Als Kind war mir das Einkaufen verhaßt – meistens. Alle Pseudo-Psychologen in meinem Umfeld, die ein Kindheitstraumata in mir feststellten für mein weiteres versautes Leben, hatten sicher Recht. Das erkenne ich erst jetzt. Es waren die großen Mißhandlungen meiner Erziehungsberechtigten (heute Elter 1 und 2 genannt), die mich in den Schulferien nötigten, eine Art Marathonlauf im Dorf zu veranstalten, nur um ein paar Lebensmittel einzukaufen.

Morgens um sieben Uhr begannen die Mißhandlungen. Aufstehen war befohlen. Wobei doch jeder sog. Erwachsene wissen müßte, daß Kinder nicht vor acht Uhr in die Gänge kommen und Schule vor neun nix bringt. Mit der Aufforderung, mich zu waschen und Zähne putzen, begann die Tortur. Hätte nur noch gefehlt, daß ich vor dem Frühstück mein Zimmer aufräumen sollte. Dann wäre ich sicher ausgebüxt. Nach dem Frühstück ahnte ich Fürchterliches als Mutti aus dem sicheren Versteck im Küchenschrank ein paar Mark aus der Keksdose holte. Der zweite Akt der Folter begann, während meine Kumpels ans Küchenfenster klopften und mich aufforderten, mit in den Wald zu gehen um ein Baumhaus zu bauen. Ich wollte schon losrasen um mich als späterer Baumeister schon mal zu üben, als Mutti mir drohte, daß es nichts zum Mittagessen gibt, wenn ich vorher nicht einkaufen gehe. Den Hungertod wollte ich nicht riskieren. Also beugte ich mich unter der Androhung dieser Folter und ging bewaffnet mit ein paar Mark, Milchkanne und Einkaufsnetz ins Dorf. Es war ein Straßendorf mit ewig viel Straße zwischen den Läden. Ich wollte eigentlich mal Baumeister werden und nicht Marathonläufer.

Der erste Laden war die Bäckerei. Vor mir waren noch die fünf bekanntesten Dorftratschen dran. Einzig der Duft des Brotes hielt mich bei Laune in der Warteschlange, während ich an meine Kumpels dachte, die jetzt ein schönes Baumhaus bauten und nicht durch den Hungertod bedroht, diese Tortur auf sich nehmen mußten. Wozu habe ich so eine Familie verdient? Ich mußte im Krankenhaus verwechselt worden sein, kam mir in den Sinn. Andere haben bessere Eltern. Nach gefühlten Stunden Wartezeit endlich dran. Mit einem Holzofenbrot in Zeitungspapier gewickelt, umständlich ins Netz gepackt, ging es weiter zum Metzger. Wie haßte ich diese Netze. Es klemmte, verhakte sich alles was man reinpackte. Wie praktisch sin da die heutigen Plastikbeutel. Wenn die Netze  voll waren, schnürten sie durch ihr Gewicht die Adern in den Fingern ab. Auf dem Weg dahin konnte ich es mir nicht verkneifen, die köstlich duftende Kruste anzuknabbern. Es war auch eine Art Selbsterhaltungstrieb damit verbunden. Die Drohung mit dem lebensgefährlichen Entzug  des Mittagessens saß tief. Diese Botschaft des Grauens – wenn du nicht machst, was wir von dir verlangen, wirst du verhungern, war die treibende Kraft, mein Leben nach deren Takt auszurichten. Die nichts anderes gelernt haben als zu Gehorchen.  Wem? Na ja, zumindest war es ein Lohn für deren Knechtung. Gibt sicher wieder eine Standpauke beim Auspacken.

Die nächste Etappe mit gefühltem Viertelmarathon bis zum Metzger war gestärkt durch die Brotkrumen problemlos. Ich freute mich sogar darauf, dort einzukaufen. Egal, wie viele alte Tratschen vor mir standen, die Belohnung für die Wartezeit mit einem Rädchen Wurst war sicher. Weiter ging es zum Gemüsehändler, der auch Kolonialwaren verkaufte. Auf dem Weg dorthin, forderte mich der wunderbare Duft des geräucherten Schinkens und die der natürlich gewürzten Leberwurst auf, diese umgehend zu probieren. Der Abbiß mit meinen verbleibenden Milchzähnen sah aus als hätten Mäuse daran genagt. Also erklärte ich Mutti später – Mäuse hätten sich über den Schinken hergemacht als ich das Netz kurz auf dem Gehweg abstellte um zu verschnaufen. Mutti haßte Mäuse und sprang jedesmal vor Angst auf den Küchenschrank, wenn sich eine Maus die Essensreste auf dem Küchenboden holen wollte. Dazu muß man wissen, daß man bei uns vom Boden essen konnte, wie das bekannte Sprichwort für Sauberkeit sagt. Opi, der bei uns wohnte, sabberte soviel beim Essen, daß genügend für die Mäuse auf dem Boden  übrigblieb. Das mit der Maus hat gesessen. Mutti hatte mich nicht einmal der Lüge beschuldigt. Selbst das Wort Maus ließ sie vor Angst zittern. Da sage noch einer, Kinder seien naiv. Sie haben es faustdick hinter den Ohren.

Beim Gemüsehändler wieder dieselben Tratschen vor mir. Oh je, das kann dauern. Der Tratschkürbis, also der Gemüsehändler wurde so genannt, weil er so kugelrund wie ein Kürbis war und noch mehr tratschen konnte als alle Weiber zusammen im Dorf. Die hatten ihm immer gern zugehört. Vermutlich war es nur eine geniale Taktik. Nebenbei kramte er immer wieder unnötiger Krempel raus und präsentierte ihn fast unauffällig vor den Weibern. Ich kann mich noch an den patentierten amerikanischen Gurkenhobel erinnern, der die Gurken von unten nach oben hobelte. Der Renner damals. Amerikanisch verkaufte sich damals schon gut. Nachdem alle vor mir mit allerlei Kolonialwaren und dem Gurkenhobel weg waren kam ich dran und hatte vergessen, was ich einkaufen sollte. Da fiel mir mein Lieblingsgericht ein. Spinat mit Spiegelei ohne Kartoffel. Also kaufte ich diese ein. Mutti war überrascht, kochte es aber ohne zu meckern. Das milderte die frühmorgendliche Folter etwas ab.

Oh je, noch nicht alles beisammen. Der Milchladen, gefühlte Tageswanderungen noch weg. Aber ohne Milch kann Ludwig nicht nach Hause gehen. Dann setzt‘ s was. Sie war eigentlich für Papi gedacht um ihn nach täglicher Maloche zu stärken. Für was? Meine Erziehungsberechtigten hatten damals schon vier Kinder. In mir hatte Mutti vergeblich versucht, Milch einzuflößen. Vermutlich liegt es daran, daß ich keine Kinder habe. Papi hatte nach vier Kindern auf Empfängnisverhütung umgestellt mit Steinpils. Jeden Abend mehrere Steinhäger und Pilsener. Aber vermutlich hat ihn Mutti doch noch irgendwie drangekriegt, Milch einzuflösen. Es kamen deren Kinder noch drei.

Dazu noch eine kurze dramatische Geschichte, die mein Leben vom philosophisch Träumenden zum praktischen materialistischen Deppen katapultieren sollte. In der linken Hand das blutabschneidende Einkaufsnetz und in der rechten die volle Milchkanne, wollte ich die Schwerkraft oder war es die Zentrifurien studieren, nur so aus Laune heraus. Also drehte ich die Kanne immer schneller im Kreis, bis sie mir entglitt und gegen das Schaufenster des Milchladens knallte. Die Scheibe blieb ganz. Im Innern des Ladens ein Aufschrei. Die Milchfrau kam ruhig heraus, streichelte mir über den Kopf, las wortlos die Kanne auf und verschwand. Minuten später kam sie mit neu gefüllter Milchkanne heraus und gab sie dem heulenden Ludwig. Laß gut sein, sagte sie. Darüber hatte nie mehr im Dorf jemand ein Wort fallenlassen, obwohl es das wichtigste Thema an diesem Tag gewesen wäre.

Ein anderes Mal war nicht viel einzukaufen jedoch mit fatalen Folgen, die zum Dorftratsch wurden. Woher haben diese Asis so viel Geld? Dazu muß man wissen, daß zu dieser Zeit Familien mit vier Kindern Asis waren, sofern sie nicht vom Adel gefickt wurden. Mutti schickte mich frühmorgens nur zum Gemüsehändler, der alles verkaufte – vor allem das amerikanisch Neue, um Putzmittel wie die mir verhaßte Zahncreme und Seife einzukaufen. Waschmittel war auch dabei. Da das Kleingeld Ausgang hatte, gab sie mir den letzten Rest des Familienvermögens mit auf den Weg – einen Fünfzig Mark Schein. Dem Händler froren die Gesichtszüge ein als es ans Zahlen ging. Fünfzig Mark kann ich frühestens heute nachmittag wechseln,  stotterte er. Bub, ich schreib das euch an, bis ihr wieder Geld habt, meine ich, ihn verstanden zu haben.  Da hats bei Ludwig geblitzt im Hirn. Also mit großen Scheinen winken, die niemand einlösen kann, war irgendwie zuviel für sein kindliches Hirn, das heute noch in ihm latent vorhanden ist.

Teil 2

Was ist „Anschreiben“, fragte sich Ludwig nach dem Erlebnis mit dem nicht wechselbaren 50 Mark Schein. Wozu mit Geld bezahlen, wenn man ohne Geld einkaufen kann? Wenn der Tratschkürbis  jetzt kein Geld braucht – wann dann, fragte sich Ludwig. Opi, mit dem man sogar auf dem Küchenboden essen konnte, weil er das meiste Mittagessen versabberte, hatte eine geniale Antwort darauf, die ich leider seiner nicht mehr vorhandenen Schneidezähne nur unvollständig verstand. Er hatte irgendwas vom Zusammenhang von Anschreiben, Kredit und Sklavenhaltung gemurmelt. Von meinem Opi hatte ich bereits erzählt, der sich mit 98 wie neugeboren fühlt.  Hilflos daliegend, von Fremden abhängig um nicht zu verhungern, ins Bett geschissen, keine Haare auf dem Kopf, keine Zähne in der Gosch, nicht reden können, hatte er als Beweis parat, daß er sich wie neugeboren fühlt. Er hatte immer so lustige Geschichten drauf. Öfter erzählte er, daß er Omi auf der Kerwe, dem früheren Heiratsmarkt, beim Blinde Kuh spielen gewonnen hat. Die hätte sonst nie einen abgekriegt. Die rastete dann jedesmal aus und stellte richtig, daß sie die dabbische blinde Kuh war, sich so einen abgehackten Kloben einzufangen. Nach ein paar Glas Most, den Ludwig gerne aus dem Keller holte, wegen der  Wegzehrung, lachten sich beide halb krank ob dieser Geschichte – das damalige Bind Date. Das war ein Paar. 70 Jahre verheiratet. Frotzelten immer noch, daß sie getrennte Gräber möchten. Es könnte ja sein, daß da noch der Richtige reinkommt. Dann müssen sie sie nicht extra scheiden lassen. Wird schwierig da unten. Das nächste Blind Date?

Ich hatte im vorigen Teil vergessen zu erwähnen, daß nicht jeder Einkauf für mich Kindesfolter war. Da gab es noch den Wolladen, auf dessen Besuch ich mich regelmäßig freute. Mutti strickte jeden Abend Socken oder Pullover. Am liebsten mochten wir Kinder die selbstgestrickten Norwegermuster – die mit den lustigen Rentieren, die selbst von den hochnäsigen Mitschülern bewundert wurden. In dieser Zeit hatten viele Muttis nicht das Geld, die Wolle für einen Pullover auf einmal zu kaufen. Die Wollfrau legte den angefangenen Beutel Wolle zurück. Da jede Charge Wolle einmalig in der Musterung und Farbe war, war damit sichergestellt, daß  der Pullover nicht aussah, wie aus bunten Lumpen zusammengestrickt. Erwähnenswert ist der beliebte Einkauf bei der Wollfrau aus einem anderen Grund. Die Muttis damals hatten anderes um die Ohren als noch schnell für die Abendbeschäftigung Wolle einzukaufen. So bot die Wollfrau einen wöchentlichen Heimservice an. Sie wußte, freitags hatten die Muttis zwei Mark für 50 Gramm Wolle parat, die sie aus der Charge auslösen konnten. Die meisten Papis, so auch meiner, hatten die freitägliche Lohntüte pflichtbewußt nach Hause getragen und nicht wie andere, diese in der kleinen Kneipe vor dem Tor der Fabrik versoffen, die vornehmlich den Fabrikbesitzern gehörte. So hatten die Arbeiter ihren Wochenlohn umgehend wieder dort abgeliefert, woher sie ihn bekamen. Das nennt man Kapitalismus, wie Ludwig vermutet.

(Für Neuleser: Wenn abwechselnd ‚Ludwig‘ oder ‚ich‘ erscheint, dann ist seine multiple Persönlichkeit damit gewürdigt.)

Da ich noch mit dem alten Fahrrad von Opi unterwegs war, schräg eingestiegen und gefahren neben  der waagrechten Stange, die immer noch beim Aufsteigen an den Harndrang eines Hundes erinnert mangels Beinlänge, machte sie mir einen Vorschlag. Möchtest du dir ein neues Fahrrad verdienen, so kannst du die Wolle  austragen. Ich schneid dir mal die Haare und putz dir die Fingernägel, dann kanns losgehen. Die Hausfrauen freuten sich über die regelmäßigen Lieferungen und gaben üppig Trinkgeld. Ludwig unterwegs mit dem schrägen Tritt ohne Helm in Opis Fahrrad sammelte soviel Kohle mit Wollaustragen ein, daß es für ein gebrauchtes Kinderfahrrad reichte. Das Fahrrad war am nächsten Tag geklaut. Die Karriere als Kurierdienst, der unendlichen Reichtum beschert, auf einmal futsch. Also doch lieber Häuser bauen. Die kann man nicht so schnell klauen. Erst Jahrzehnte später sollte klein Ludwig erfahren, daß man Häuser sogar dann klauen kann, wenn der Eigentümer besonders darauf aufpaßt. Opi hatte es geahnt – das mit dem Anschreiben, Kredit und Sklave. Aber das Thema kommt erst später dran, wenn klein Ludwig groß ist. In der Schule bekam Ludwig einen Eintrag für schlechtes Benehmen, als er den Lehrer auf Opis Weisheit ansprach und nicht locker ließ, weil keine Erklärung dazu vom Lehrer kam. Lern du erst mal zu gehorchen, dann können wir weiterreden, so die Antwort vom Klassenlehrer. Völlig zerstört, berichtete ich Opi davon, der immer gute Sprüche drauf hatte.

Stell dir das Arschloch am Pult ohne Krawatte, Hemd und ohne Unterhose vor. Was siehst du? Ein nichts. Er gab mir die Novelle von Gottfried Keller – Kleider machen Leute zu lesen.

Wenn du das kapiert hast, kannst du nur noch zwei Wege gehen. Dem, der deinem Inneren oder den dieser Arschlöcher.

Die Ausrutscher meiner gepflegten Sprache in die Fäkaliensprache habe ich Opi zu verdanken. Manchmal bedarf es dem Deftigen um etwas aufzurütteln.

Es gab damals noch keine coolen „individuellen“ Klamotten von „must have“ um als finanzpotentes fremdfinanziertes Rudelindividuum seine Existenzberechtigung im Schulhof zu beweisen. Die Abgrenzung zu den Asis – also zu meiner Kaste wurde mit dem dicken Auto des Papis oder den teuren Spielzeugen gezogen. Das beeindruckte selbst die Lehrer, die mich nicht für eine höhere Schule, dem damals schon hirnverbiegenden devolutionierenden Gymnastikum äh Gymnasium empfehlen wollten. Das leider nur kurze Zeit, der sich die Vollpfosten, Lehrer genannt, sicher waren. Also jene, die meine Weiterbildung für die Gesellschaft aufgrund des Kinderreichtums des Proletariats nicht für relevant hielten. Wo kämen wir hin, wenn jeder Asi uns den Status der monetär höhergestellten Intelligenz streitig machen würde?

Es gibt aber immer wieder Engel, die uns im aussichtslosen Zeitpunkt zur Seite stehen. Damit sind nicht die von den Pfaffen erfundenen gemeint. Sondern einfach diejenigen, die uns aus einer aussichtslosen Situation helfen. Das können Menschen ohne jeglichen spirituellen Hintergrund sein – ja, sogar Stolpersteine, die uns weiterhelfen, wie Ludwig selbst erlebte.

Zurück zum Engel, der mir die Möglichkeit gab, aufzusteigen in das höhere Bildungswesen, was das immer auch sein sollte. Eine mir fremde Lehrerin, die im Ausschuß der Zulassungskommission saß, ermöglichte mir die Aufnahmeprüfung. Damals wurden die Prüfungsfragen noch mit Kreide an die Tafel geschrieben. Klein Ludwig mußte wegen einem Sehfehler immer wieder aufstehen und zur Tafel laufen, damit er die Fragen lesen konnte. Die Aufnahmeprüfung bestand klein Ludwig mit Bravour. Diese Lehrerin war fassungslos, daß bis dato niemand meinen Sehfehler erkannte und ging am nächsten Tag mit mir zum Augenarzt. Der verpaßte mir eine Brille mit Gläsern, so dick wie Glasbausteine. Ein Unterschied im Sehen wie Tag und Nacht. Dieses Glücksgefühl – gut sehen zu können, ist bis heute geblieben. Heute sind die Gläser dank moderner Technik nur noch zwei mm dick. Über meinem weiteren Schulalltag soll an anderer Stelle berichtet werden – als Abrechnung mit dem Gesindel von untauglichen Pädagogen, bis auf zwei, die ich heute noch wertschätze.

Nach der Schule war Umzug in die große Stadt zum Studieren angesagt. Es fiel mir nicht schwer, das Dorf zu verlassen. Die Stadt war plötzlich die große Welt, die lange Zeit meine sein sollte, bis ich merkte, daß sie nur Blendwerk ist. Ein Gefühl wie Heimweh überkam mich immer öfter. Vielleicht muß man die Kälte der Stadt erleben um zu fühlen was man mit dem Dorf aufgegeben hat. Immer öfter zog es mich zu Wochenendausflügen in kleine Dörfer. Mit dem Gefühl, etwas Existentielles wie Heimat verloren zu haben, frustete ich regelmäßig in die Stadt zurück – in die Welt des ungeduldigen sinnlosen Konsums, ohne den man es in der Stadt nicht aushält.

Was hat scan&go mit Heimat zu tun? Nur Geduld liebe Leser, das kommt noch. Wie das Stadtleben das Konsumverhalten verändert und damit wesentlich zur Vernichtung der kleinen Existenzen wie Tante Emma Läden beitrug, versuche ich im nächsten Teil zu beschreiben. Nicht nur die, sondern auch die zunehmende gesellschaftliche Verwahrlosung  der Landbevölkerung dadurch. Das kleine Dorf mit all seinen Macken wird es vielleicht bald nur noch als Freizeit- & Erlebnispark a la Disney Land geben, besetzt mit ein paar mies bezahlten Schauspielern. Daneben seelenlose vollautomatische Mega-Einkaufszentren ohne Verkäufer. Die brauchen wir dann auch nicht mehr. Der künftige Verkäufer wird uns ja aus dem Handy freundlich beraten. Die Verkäufer-Apps gibts sogar kostenlos von Google. Nix mehr mit dem muffigen schlechtgelaunten Personal. Ist das nicht schön?

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