Das Nichtkampf-Prinzip

Nach der gestrigen Demo Spaziergang in Landau machte ich mir Gedanken, wie künftig größere Kundgebungen gewaltfrei und ohne Prügeleien mit der Ordnungsmacht aussehen kann. Wie kann man eine gewaltbereite Obrigkeit, die die schrecklichsten Mittel einsetzt um uns final zu knechten und auszubeuten in die Schranken weisen ohne es dieser mit Gewalt gleichzutun? Das Nichtkampf-Prinzip halte ich noch wichtiger für die Genesung der Menschen als das Wildgansprinzip.

Es ist die Voraussetzung daß sekundär das Wildgansprinzip gedeiht.

Schon die Frage lenkte mich auf einen großartigen Vortrag zum Thema beim kenfm. Ist das nicht wunderbar? Fragen stellen ohne hinterfotzige Gedanken zum eigenen Vorteil und plötzlich kommt eine Antwort, wie es klappen kann. Ein wenig kann ich da mitreden, da ich selbst in jungen Jahren Judo übte. Für mich die beste Disziplin, dem Angreifer seine Energie zu nehmen. Nicht ausweichen und in eine Höhle verkriechen, sondern ihn mit voller Wucht auf mich zukommen lassen. Mit Angst geht das nicht. Genau in dem Moment wo er die größte kinetische Energie hat – also direkt vor mir, ducken – ihn über die Schulter mit einem kleinen Hüftschwung sausenlassen  und er knallt mit voller Wucht auf den Boden und bricht sich das Steißbein oder die Nase. Mein Beitrag für seinen Angriff, der für ihn katastrophal endet ist nur eine kleine tänzerische Bewegung meinerseits. Er rutscht mir förmlich den Buckel runter.

[…Kommen wir nun zum gewaltfreien oder gewaltlosen Widerstand, den die Regeln, Gesetze und Außerkraftsetzen der Regierung unter der Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gesellschaft erzwingen und zu denen ich jeden Bundesbürger und Nichtbundesbürger aufrufe: Widerstand muss gewaltfrei sein und bleiben, das ist das Gebot für alle Handlungen, die im Widerstand erfolgen. Eine Regel will ich für das Nachfolgende geben: Keine Mikrofone, keine Bühne, keiner steht oben, redet oder spielt Musik und alle anderen hören zu. Alle Anwesenden sollten möglichst wie ein Körper und ein Geist agieren. Kooperation, Symbiose, statt Kampf und Auseinandersetzung. Wir geben der Polizei keinen Raum für ihr Einschreiten gegen uns, denn von uns aus entstehen keinerlei Gewaltszenarien. Alles was Gegenkräfte erzeugt, werden wir meiden und nicht tun. In diesem Sinne ist das, was der Physiker Hans-Peter Dürr sagte, die Gegenkraft ist nicht der Feind der Kraft, wahr. Denn er sagte damit nichts anders als, dass man die Gegenkräfte wandeln oder aufnehmen, umlenken kann, in dem man die Gegenkräfte für die eigene Strategie und Kraft nutzt. Das ist das Herz aller Nichtkampfkunst und der modernen Deeskalation. Das könnte man selbst lernen, wenn man will. Man könnte auch sagen, die Gegenenergie ist nicht der Feind der Energie, denn Energie ist an sich neutral, wie auch die Kraft an sich neutral ist. Nur wir Menschen machen mittel unserer Emotionen daraus einen Kampf, in dem wir stets die Energien, also die Kraft des Gegners, als Möglichkeiten unserer Abwehr aufnehmen, blocken, also der dadurch entstehenden Massekraft (Masse mal Beschleunigung gleich Kraft) uns entgegenstellen und uns selbst damit oft großen Schaden zufügen. Unser Wissen ist stark, aber unsere Emotionen sind oft eine Falle, in die wir hineinfallen, da sie den Verstand außer Kraft setzen können. Das ist in vielen Teilen der Kampfkünste auch ihr Prinzip, nicht jedoch in der realistischen Selbstverteidigung, aus der ich das Prinzip der Gegenkraft entliehen habe….]

Der ganze Vortrag hier: https://kenfm.de/tagesdosis-29-4-2020-gewaltfreier-widerstand/

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