Mein heutiges Gutenachtlied

Ludwig Hirsch – Ich hab’s wollen wissen – 1980

Ich hab’s wollen wissen und ich bin auf’n Berg aufeg’stiegen

ganz hoch rauf, mitten auf’n Gipfel hab ich mich g’stellt.

Und auf einmal, da war da unten alles so lächerlich klein

und ich war plötzlich der höchste Punkt der Welt

und auf einmal da is mir ins Hirn eineg’fahren

es ist doch meine Meinung, die wirklich zählt!

Ja, ich hab’s wissen woll’n und ich bin in Kanal obeg’stiegen,

ganz tief runter, wo’s das Licht nimmer gibt,

und dort unten zeigt der Vater sein Buben,

wie ma an Menschen erschlagt und die

Mutter lockt ihr Madl auf n Strich

und auf einmal, da is mir ins Hirn eineg’fahren

du musst was machen, damit endlich was g’schicht.

Ja, und dann hab ich’s wissen woll’n und habe meine Gitarre gestimmt,

bin raus auf die Strasse vor die Betonmauerwand

und ich hab g’sungen so ehrlich und so schön, wie ich kann

hab so gehofft, dass die Mauer dazu tanzt.

Und auf einmal, da is mir ins Hirn eineg’fahren

es ist zuwenig eine Gitarre in der Hand!

Ja, und jetzt weiss ich’s, jetzt da im Gitterbett drin,

ohnmächtig, in eine Zwangsjacke geschnürt

sie fangen Dich und sie bringen Dich um,

so schnell kannst gar net schaun

und Du hast Dich umsonst echauffiert.

Und trotzdem, ich fordere Sie auf gnädige Frau,

und auch Sie, mein Herr:

ein bisserl den Hintern bewegen!

Ja, ich weiss, er wiegt zwar zeimlichschwer,

aber wollen wir nicht auch einmal ein bissl was riskieren?

Weil, alles geht, es müssen nur mehr probieren!

2 Kommentare zu „Mein heutiges Gutenachtlied

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