Welche Dinge braucht der Mensch?

Im jeden Jahresrückblick fehlt keine Reportage über lokale Überschwemmungen  mit verheerenden oft existentiellen Katastrophen für die Bewohner. Im harmlosesten Fall wird nur der Keller überflutet und der dort entsorgte Vorfälligkeitssperrmüll oder die Waschmaschine ist futsch. Besonders schlimm wird es, wenn gemütlich daher plätschernde Bäche plötzlich zu alles niederreißenden Monsterwasserfälle werden, die Schlammlawinen in die Wohnzimmer tragen und alles zerstören, was man sich mühsam oft jahrelang angeschafft hat. Augenblicklich ist der Traum vom trauten Heim zerstört. Unbewohnbar – zerstört die Bude wie nach einem Brand, stehen die ehem. Bewohner vor dem Nix.

Der zweite Schock über die zerstörte neue Küche, das neue Ledersofa und der türgroße Multimedia-Bildschirm kommt erst später, wenn die Bank die nächsten siebzig Monatsraten für nulle % Zinsen einfordert und die Versicherung den Ausgleich des Schadens verweigert, weil man in einem gefährdeten Gebiet wohnt. Das steht im Kleingedruckten- im Großgedruckten nur die zu zahlende Prämie.

Nun – das kommt ja erst später. Jetzt muß erst mal eine Notunterkunft für sich, die Liebsten und die Katze gefunden werden. Wohl dem, der seine Nase bisher nicht zu hoch getragen hatte und ein liebevolles Verhältnis zu den Nachbarn gepflegt. Ich möchte dieses Szenario nicht weiter beäugen. Mich interessiert was anders

Welche Dinge braucht der Mensch? Dieses exemplarische Foto zeigt, was er bisher meinte zu brauchen und wofür er sich krummbuckelte oder sogar prostituierte; das Ergebnis seiner Wünsche für ein gemütliches glückliches Leben. Der ganze Hausrat aus dem Erdgeschoß. Viele zehntausend Euros für den Müll. Wars das?

Was lernt der Mensch aus einer solchen Katastrophenmeldung, die er in sicherer Entfernung auf dem gemütlichen Sofa über das Fernsehen reinzieht? Nichts. Sie ist sofort wieder vergessen. Wäre nicht so eine Katastrophenmeldung geeignet, jedes Stück Hausrat oder Krempel zu betrachten mit der Vorstellung, daß es urplötzlich durch eine Überschwemmung oder Brand zerstört wird. War es der Mühe wert, das überhaupt anzuschaffen. Was hat wirklich bewegt, das eine oder andere zu kaufen? Die ehrliche Antwort darauf würden viele nicht aushalten. Die geschulte materialistische Sinnlosigkeit übertünchen mit noch mehr Sinnlosem. Ist wie Brandlöschen mit Benzin. Also wird weiter gezündelt bis – eben bis zur Zerstörung. Der Mensch muß neben dem Jammerlappen noch ein anderes Organ im Hirn haben – die Luftblase um das nicht zu erkennen. Soweit mir bekannt, ist die Luftblasenforschung in der Pharmaindustrie verpönt und in die Werbeindustrie verlagert. Seis drum.

Den meisten ist auch nicht bewußt, daß sie viele Dinge erst dann wirklich brauchen, nachdem sie beworben wurden. Ausklinken aus diesem Teufelskreis scheint fast unmöglich. Vermutlich braucht es eine Katastrophe um aus dem Konsumrausch nüchtern aufzuwachen, wie mir ein älteres Paar erzählte.

Ich hatte auf meinen Reisen ein solches kennengelernt, die in einer kleinen Hütte wohnten und mir von ihrer großen Katastrophe mit glänzenden glücklichen Augen erzählten. Ein großes Feuer vor Sydney hatte auch ihr Haus zerstört, wofür sie ein Leben lang arbeiteten und sich krummbuckelten. Was mitnehmen, das man unterm Arm tragen kann, war angesagt. Sie nahmen nur ein paar Briefe ihrer Kinder mit, die auswanderten um deren Adresse zu retten. Sie erzählten mir auch, daß sie inzwischen glücklich sind, daß der ganze Ballast von übertriebenem Wohlstand verbrannt ist.

In unserer sog. zivilisierten Welt ist das Maß für Wohlstand die Menge der angehäuften materiellen Güter.  Ganz ekelhaft wird es, wenn die materiellen Güter nicht mehr zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse ausreichen und ‚Untertanen‘ oder ‚Schutzbefohlene‘ darunter leiden müssen, bekannt unter den ekelhaftesten menschlichen Perversionen.

Wo liegt die Wohlfühlgrenze? Die müßte eigentlich einfach zu ziehen sein. Als Beispiel sei Omas Häusle im Grünen genannt. Das bietet alles, was eine Familie glücklich machen könnte. Kein übertriebener materieller Ballast, der die Herzenswärme aufsaugt. Fast nur praktische Dinge sind dort zu finden, die das Leben zufrieden gestalten können. Mit Omas Häusle kommen jedoch heute die wenigsten klar. Bestenfalls taugt es zum plattmachen, um ein 200 qm großes Eigenheim mit drei Garagen darauf zu setzen. Der Nachbar und der Kollege haben ja bereits so eines. Die Wohlfühlgrenze ist also inzwischen nicht mehr durch die eigenen Bedürfnisse gesetzt, sondern durch die Nachbarn, ‚Freunde‘ oder Kollegen. Durchaus als Neidfaktor zu bezeichnen. War sie bisher bei Omi nach oben begrenzt, weil sie zuviel Ballast nicht wollte, so ist sie nach unten verschoben. Wer sich heute keinen Kaffeeautomaten für 2.000 €  oder  drei Urlaube / Jahr leisten kann, gehört bereits zu den Looser.

Die typische Durchschnittsfamilie ist durch die Beeinflussung der Medien, Werbung, Promi-Soaps und die geistige Impfung auf den Materialismus so kirre gemacht, daß sie ihr wahres Potential vollständig verloren hat.

Hatte man in früheren Zeiten auf die Sklaven eingedroschen, damit sie den Mammon für die Elite bei schleiften, war das noch irgendwie verständlich. Man gab ihnen etwas zum Fressen, der reine Überlebenskampf eben. Sie hatten keine andere Chance zum Überleben. Heute haben wir die nie in der Vergangenheit Geahnte. Einfach nein sagen zum Vorgesetzten, der nur eine Stufe im Hamsterrad für wiederum seinen Vorgesetzten putzt, damit der da nicht ausrutscht und sich das Genick bricht. Welch ein Irrsinn, alles freiwillig.

Der duftende handgemahlene und von Hand aufgebrühte Kaffee von Omi ist vergessen. Die Geschichten, die mir Omi während dieses Zeremoniells von Wohlfühlbach erzählte auch.

Vom Bett aus über Apps den Kaffeeautomaten einschalten, damit man den Umweg zur Küche und Kaffee kochen abkürzen kann ist in. Diese Zeit kann man während dem Scheißen ja besser nutzen um Freunden im Fratzenbuch das neueste Selfie des neu von Amazon erworbenen heruntergelassenen Tangas vor der Kloschüssel zu präsentieren.

Möchte mich nicht weiter über diesen heutigen Wahnsinn des kleinen Arschlochs auslassen. Es hat es in der Hand, die sog. Elite, die ausschließlich aus ihm kreiert wird, in seine eigenen Schranken zu weisen. Die Elite hat mehr Schiß vor dem kleinen A als umgekehrt. Die haben zu verlieren, wenn das kleine A nicht mehr mitmacht.

„Die einzige Angst des Riesen ist, daß keiner mehr vor ihm Angst hat“ (Hans Bemann)

Kommen wir zum Luxus. Ich hatte mir schon öfter Gedanken gemacht, was Luxus ist. Heute denke ich einen Schritt weiter als nur ‚nicht mehr nötig haben um Freiheit zu erreichen‘.

Luxus ist die Beweglichkeit und geistige Freiheit, sich von den angelernten Zwängen zu lösen, gleichzeitig die Errungenschaften der der modernen Technik anzunehmen, die das Leben angenehmer machen als in jeder Zeit davor. Der wahre Luxus ist teilen können. Die Erde hat genug Ressourcen für alle Menschen. 

Luxus ist nicht, sich mit teurem Klunker oder teuren Tüchern zu schmücken. Auch nicht die Anhäufung von sonstigen Wohlstandssymbolen, die man angstbesessen vor dem Pöbel verteidigen muß. Diese Art von Luxus ist der goldene Käfig, das Endstadium des selbstgebauten Kerkers.

Vor allem bedeutet Luxus, sich von allen Ideologien geistig freizumachen, besonders vor der unheimlichen Allianz von Pfaffen – die weltlichen Gelehrten eingeschlossen, Geldadel und deren einflüsternden Lautsprecher –  die armseligsten unterm Himmel – die Politiker, die selbst Wein saufen und Wasser predigen. Gucke dir nur die armseligen grünen Idioten an, deren Mission alle anderen Parteien eingenommen haben.

Der wahre Luxus wird versteckt in der Anarchieecke verortet. Es wird dort immer fälschlicherweise von der Herrschaftslosigkeit gesprochen um selbst den Wein zu saufen. Da bleibt immer noch die Frage, was macht der Sklave daraus. Darüber lassen uns so schlaue Schriften wie https://www.anarchismus.at/ im Dunkeln. Lest sich zwar gut, hat aber denselben Denkfehler, wie die Herren der Welt, die glauben die Führer zu sein.

Die alleinbeanspruchende Herrschaft über sich selbst ist Illusion. Sie führt genauso in die Irre, wie die der Elite. Die Gefahr der Selbstherrlichkeit ist zu groß als daß sie der Gemeinschaft dienen könnte. Gut geglaubt ist noch nicht gut gemacht. Es muß also noch ein Zwischending – einen Ausgleich zwischen diesen Extremen geben. Diesen suche ich noch.

Bild: Sueddeutsche.de

Advertisements

Was fällt Dir dazu ein?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s