Der Glaube ist eine Krücke im Diesseits

Mich hat das Interview mit einem katholischen Pfarrer so beeindruckt, daß ich mir vorgenommen habe, künftig weniger über die Unbill in der Welt zu schreiben. Das lenkt nur von unserer eigentlichen in der Schöpfung vorgesehenen Rolle ab und erzeugt Angst. Bindet unser schöpferisches Potential auf die Stufe der Steinzeit. Gerade in der heutigen Zeit, in der hysterisch die Erde gerettet werden soll, gilt es darüber nachzudenken. Mußten früher Opfer gegen die Unbill der Naturgewalten gebracht werden, so müssen heute Opfer gegen den Menschen gebracht werden um den Planeten zu retten. Der Unterschied zu früher: Damals galt es den Menschen vor den Naturgewalten zu schützen. Heute ist der Mensch die alles zerstörende Ratte, die den Planeten kaputtmacht.  Ist der Mensch wirklich das auserkorene Ekel, das durch seine Selbstzerstörung die Schöpfung retten muß? Egal wie man es dreht, es steckt eine tiefe Angst vor dem Tod dahinter. Diese muß einfach überwunden werden. Damit verlieren auch alle Schrecken und Ängste im Hier ihre Kraft.

Im Konzil von Konstantinopel 553 wurde die Reinkarnation aus der katholischen Glaubenslehre entfernt. Warum wohl? Damit wären die größten Ängste nicht vorhanden und der Mensch nicht dadurch zu versklaven.

Daher wird es für mich als (körperlicher) Verwesungsanwärter Zeit nachzudenken, über das Woher, Wohin und wie geht es nach meinen körperlichen Tod weiter. Seit längerem bin ich überzeugt, daß ich dieser ‚Zwischenwelt‘ bis zur nächsten Inkarnation im Hier und Jetzt bereits mein Nest vorbereite. Anders ausgedrückt: ich werde dort genau im letzten Gemütszustand vor dem Tod empfangen – mit allen Empfindungen wie Sorgen, Ängste, Haß, Neid und Gier. Es ist mit Nichten so, daß ich nachdem ich auf der Erde ein Scheißkerl war, sofort mit unendlicher Liebe empfangen werde. Es wird ein schmerzlicher Prozeß bis zur Einsicht, daß das Leben ohne die „sieben Todsünden“ das Wunder der Schöpfung ist. Das kann mehrere Lebensschleifen andauern. Ich nenne diesen schmerzlichen Prozeß das Fegefeuer. Anders kann es ablaufen, wenn ich zu diesen Lebzeiten bereits zur Erkenntnis komme, daß diese sieben Todsünden sinnlos sind und ich anfange danach zu handeln. Ich will damit nicht sagen, daß ich damit im nächsten Leben keine Probleme mehr habe und nur noch auf dem Wolkenkuckucksheim daher schwebe und nur noch Liebe empfange und gebe. Was kann schon schiefgehen, wenn ich im Hier und Jetzt damit anfange, den Irrsinn des Hauens und Stechens für ein paar Silberlinge oder Hochmut aufgebe?

„Stefan Lampe ist katholischer Pfarrer in Wohldenberg (D). Vor Jahren erlebte er während eines Autounfalls eine tiefgreifende Nahtoderfahrung, die ihn und auch seinen Glauben nachhaltig veränderte. Im „Thanatos.tv“-Gespräch erinnert er sich nochmals an dieses einschneidende Erlebnis und erklärt, weshalb er nun überzeugt davon ist, dass jeder religiöse Glaube letztlich nur eine Krücke ist.“ (Thanatos)

Lampe gibt zwar keine konkreten Hinweise zur Reinkarnation, aber einen Hinweis:

Es kann nichts schief gehen.

Wobei er explizit nicht zurück in Gottes Schoß verweist. Ein sehr kluger und weiser Vortrag, wie ich meine. Köstlich fand ich, daß Lampe seinen Arbeitgeber, die katholische Kirche als seine Firma bezeichnete.

„[…Den Glauben dürfen wir nicht zu sehr in den Vordergrund stellen….  Bei Religionen geht es um eine Wegbegleitung hin in eine Welt die uns überraschen wird. … und wenn wir uns zu sehr dazwischen stellen wollen, habe ich den Eindruck, da geht es nicht so sehr um Gott, sondern um uns selbst…..]“

Thanatos hat nach seinem Interview mit Lampe noch einem Kommentar eingepflegt.

Ein Hinweis zu diesem Interview: Mein Interview mit Pfarrer Stefan Lampe bietet nur eine Zusammenfassung, das Gespräch war in erster Linie auf seine Erlebnisse und deren Verarbeitung fokussiert. Dabei sind weitergehende christologische Fragen offengeblieben. Die zahlreichen Kommentare zu diesem Interview zeigen nun, dass einige Zuschauer an diesem Thema besonders interessiert sind. Daher möchte ich nachstehend auf ein Zitat aus unserer Korrespondenz hinweisen, das als Ergänzung zu dem Interview verstanden werden kann:
„Wo bleibt in dem, was ich erleben durfte, ,Platz‘ für Christus? Diese Frage gehörte nicht zu den Zielen des Interviews. Vielhundertfach gefragt, ergänze ich aber gerne mein ,Stammeln‘: Die Erfahrung, die ich als ,Zugabe des „Ichs‘ wiedergegeben habe, führte hinein in einen Raum eben gerade nicht nur des Ichs, sondern der unbedingten Liebe. Ich könnte auch sagen: des ,Dus‘, der ,Angenommenheit‘, des ,Gekannt-Werdens‘, des Gefühls ,Hier bin ich ja zuhause‘, bis hin zu der verstörenden Ahnung ,Hier war ich schon immer‘. Dieses mein ,Ich‘ weit übersteigende ,DU‘ war eindeutig personell. Ich befand mich nicht in einem ,Ich-Himmel‘, sondern in der Gegenwart einer unbeschreiblichen Freundschaft. Für mich hat das einen Namen: Christus. Aber ein die Kirche, die Bibel und unsere konfessionellen Denkmuster liebevoll übersteigender und alle Menschen umfassender Christus. Damals, vor über 20 Jahren, war mir das so nicht sofort bewusst. Wenn ich aber heute den Kolosserbrief lese, und den Hymnus, in dem es heißt , In ihm hat alles Bestand‘, bin ich gedanklich wieder an jenem ,Nicht-Ort‘ von damals. Es möge mir verziehen werden, dass viele weitere in diesem Zusammenhang zu stellende theologische Fragen für mich keine Antwort haben. Bleiben wir gespannt. – Stefan Lampe.“

thanaos.tv inspiriert mich sicher in nächster Zeit über dieses universell existentielle Thema  nachzudenken.

https://www.youtube.com/channel/UCWVMHyIWEvAWv3Lc1C5icVA

—-

Anstelle eines Gutnachtliedles:

„Ein geistigeres und innigeres Element als die Sprache hat ein Volk nicht.
Will ein Volk also nicht verlieren, wodurch es Volk ist, will es seine Art mit allen Eigentümlichkeiten bewahren, so hat es auf nichts mehr zu achten, als daß ihm seine Sprache nicht verdorben und zerstört werde.“

Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860)

Ein Kommentar zu „Der Glaube ist eine Krücke im Diesseits

  1. Die Reihe, von der Seite Yoga-Vidya, über den Tod passt doch ganz gut hier her. Ein kleiner Ausschnitt davon………….

    Swami Sivananda: Letzte Gedankenformen

    Hinzugefügt von Sukadev Bretz am 5. Oktober 2019 um 5:30am

    Blog anzeigen
    .

    Der letzte Gedanke eines Menschen lenkt sein weiteres Schicksal. Er bestimmt maßgeblich seine nächste Geburt.

    Der letzte Gedanke eines unverbesserlichen Trinkers wird vielleicht der an seine Schnapsflasche sein. Der letzte Gedanke eines habsüchtigen Geldverleihers wird der an sein Geld sein. Der letzte Gedanke einer liebenden besorgten Mutter wird der an ihren einzigen Sohn sein.

    Raja Bharata zog aus Barmherzigkeit ein Reh auf und verhaftete sich daran. Sein letzter Gedanke war der Gedanke an dieses Reh. Daher musste er als Reh geboren werden.

    Der Mensch wünscht sich, in Frieden zu sterben, mit seinem Geist auf Gott gerichtet. Um seinen Geist zu erheben, seinen letzten Gedanken auf Gott zu richten, werden die Bhagavad Gita, das Bhagavatam, das Vishnu Sahasranama und andere heilige Schriften am Sterbebett eines Kranken gelesen. Auch wenn er vielleicht nicht sprechen kann, mag er doch hören, was ihm vorgelesen wird. Das wird ihm helfen, die Gedanken an seinen Körper oder seine Krankheit zu vergessen und an Gott zu denken. Wenn seine Erinnerung versagt, werden ihn die heiligen Sätze der Schriften an seine wahre Natur erinnern.

    Es ist sehr schwierig, Gottesbewusstsein zum Zeitpunkt des Todes aufrechtzuhalten, wenn Krankheiten den Körper quälen und das Bewusstsein schwindet. Aber für den Menschen, der seinen Geist sein ganzen Leben lang diszipliniert hat und der versucht hat, den Geist durch dauerndes Üben auf Gott zu heften, wird der letzte Gedanken nur der an Gott sein. Das kann nicht durch eine ziellose Praxis in ein oder zwei Tagen, in einer Woche oder einem Monat erreicht werden. Es ist ein lebenslanges Streben und Bemühen.

    Aus dem Buch:

    Swami Sivanandas
    Inspiration und Weisheit
    Für Menschen von Heute

    Auszüge aus Werken von Swami Sivananda
    Essays und praktische Anleitungen
    für spirituelle Aspiranten

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