Die Wahl der Sehenden – Nichtwählen

Alle Macht geht vom Volk aus! Am 24. September kann das Volk mal wieder den Politikschranzen zeigen, wo der Hammer hängt. Immer wieder erstaunlich ist, wie die Politiker, Pfaffen und Medien uns auf die „erste Bürgerpflicht“ erinnern. Geht wählen, damit die Demokratie – die westliche Wertegemeinschaft erhalten bleibt und in der nächsten Legislativperiode alles noch besser wird. Daß diese Volkszertreter nach jeder neuen Wahl die Daumenschraube noch mehr anziehen, ist dem mehrheitlichen Wahlvieh wohl entgangen.

Ich schätze mal die Wahlbeteiligung bei 64 % der Wahlberechtigten. Die glauben immer noch, daß Wahlen etwas zum  Guten fürs Volk bewirken. Glauben immer noch an die von blinder Machtgeilheit besoffenen Geisterfahrer, die den Karren in den tödlichen Sumpf gefahren haben und versprechen mit noch mehr Promille äh Prozente ihn wieder zum Fahren bringt. Ist so wie ein Alkoholiker, der verspricht – gib mir noch einen Schnaps und alles wird gut. Wer heute noch zur Wahl geht, ist auf der psychischen / psychopatischen Ebene eines Co-Alkoholikers angelangt.

Co-Abhängigkeit bezeichnet ein sozialmedizinisches Konzept, nach dem manche Bezugspersonen eines Suchtkranken (beispielsweise als Co-Alkoholiker) dessen Sucht durch ihr Tun oder Unterlassen zusätzlich fördern oder selber darunter in besonderer Form leiden. Ihr Verhalten enthält seinerseits Sucht-Aspekte. (WiKi)

Co-Abhängigkeit bezeichnet darüber hinaus auch ein Verhalten von Menschen mit einer Beziehungsstörung, bei der sie sich ganz allgemein freiwillig von anderen Menschen abhängig machen – wohl besserem Wissen. Wie kann so was geschehen, selbst bei stabilen klardenkenden Menschen? Die Antwort lautet: Es fängt ganz langsam an. Der heutige Wähler hat eine Beziehungsstörung – vor allem zu sich selbst. Ansonsten würde er den Politikern einen Tritt in‘ Arsch geben und zum Deifi jagen. Wie hoch muß der Leidensdruck durch Ausbeutung beim heutigen Wähler noch werden, bis er sich von seiner Co-Abhängigkeit befreit?

Wie kann er irgendwelchen Idolen nachlaufen, die er furch unsinnige Maloche monetär unterstützt  und sich zum Ausgleich bis zum Untergang ausbeuten läßt? Bezüglich seichten Unterhaltungen mag das noch angehen. Kostet ja nicht viel, das Hirn aufzudröhnen mit die Bundesliga, Formel Eins, Tennis oder die Helene Fischer, die in ihrer Giga Show aus ihrem federleichten Kleid in 360° auf die Bühne pißt (selbst googln).  Noch perverser wird es, wenn sie mit einem toten Elvis ein Duett singt. En Zeichen der Zeit, aus der es lohnt, sich so schnell wie möglich auszuklinken. Der Turbodemokratische Kapitalismus ist bereits tot. Er wird nur noch im Duett mit dem Wahlvieh für kurze Zeit aufrechterhalten.

Das Verständnis für diese Dumpfbacken aller Couleur hört für mich dann auf, wenn sie ihren eigenen Untergang wählen und sich selbst noch als anständige Demokraten bejubeln. Siehe die aktuellen Wahlveranstaltungen. Was kommt da rüber? Versprechungen, sich zum Wohl des Volkes einzusetzen, das sie in den letzten dreizehn Legislaturperioden zunehmend vorsätzlich zugunsten der neuen Feudalherren des Kapitalismus umgeleitet haben. Jedesmal dieselbe Leier seit dreizehn Legislaturperioden. Ne – mit jeder neuen noch dreister und verlogener.  Als Nichtwähler, der eigentlich Wahlverweigerer ist, sehe ich das natürlich alles falsch. Nach dem überaus gebilderbergten Herrn Vehrkamp von der Bertelsmann-Stiftung gehöre ich zur Unterschicht mit sozialen Problemen:

„Soziale Probleme verbinden sich mit einer ausgeprägten Konsumneigung, Spaßorientierung und Distanz gegenüber Regeln der Gesellschaft zu einem typischen Nichtwähler-Klima“.

Ach so, Konsumneigung und Spaßorientierung durch soziale Probleme? Recht hat er natürlich. Die gibt’s selbstverständlich nur in der bildungsresistenten Unterschicht, wie doch alle wissen.

Ich frage ihn lieber nicht, was er unter Regeln der Gesellschaft versteht. Egal. Lassen wir den Ausflug in die Welt der Wissenden – der Experten uns am Arsch vorbeigehen.

Kapitalismus

Bevor ich euch ein Gutnachtliedle von Reinhard Mey hier einstelle, das eigentlich zum Aufwachen gedacht ist, möchte ich an einen Gedanken zur Wahlverweigerung vom geschätzten Gerd Flegelskamp erinnern:

Meine Wahlempfehlung: „Lassen Sie es!“ http://www.flegel-g.de/

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Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
Und ich denk‘ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
Sie nennen es das Volk aber sie meinen Untertanen
All das Leimen, all das Schleimen ist nicht länger zu ertragen
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
„Halt‘ du sie dumm, ich halt‘ sie arm!“

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln
Der Medienmogul und der Zeitungszar
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten
Doch ihre Botschaften sind nichts als Arsch und Titten
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Es ist ’ne riesen Konjungtur für Rattenfänger
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger
‚Ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher
Und sie sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt
Und nach den Schlimmsten werden Plätze und Flugplätze benannt
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen
Kein Pfeifchen Gras, aber ’ne ganze Giftgasfabrik kann du kaufen
Verseuch‘ die Luft, vertstrahl das Land, mach ungestraft den größten Schaden
Nur lass Dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n
Und die Polizei muss immer auf die Falschen draufhau’n

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Wir hab’n ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat gerantier’n
Was hift’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und Heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land ein Krieg ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsaätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen“
Sie ziehen uns immer tiefer rein, Stück für Stück
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen
Und verschon‘ mich mit den falschen Ehrlichen
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab‘ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit
Nach ’nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu Lachen
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen
Erpressen, bestechen, versuchen dich zu kaufen
Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen
Dann sag‘ sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd!

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

(Reinhard Mey)

Wer noch nicht kapiert hat, was abläuft – hier kann er sich hier  schlau machen.

Insbesondere wird es nicht ohne miese Widrigkeiten durch die Politschranzen abgehen, fall sich genügend Wahlverweigerer zusammenfinden, die aus deren Sicht eine Gefahr für die Demokratie sehen. Es sei hier nochmals auf eines der besten Werke zu diesem Thema hingewiesen. José Saramago beschreibt in „Die Stadt der Sehenden“, wie gelebte Anarchie ohne Politiker und Verwaltung Wirklichkeit werden kann. Er ist aber auch Realist genug um zu erkennen, zu was die Drecksäcke von Politikern fähig sind um ihren Status zu wahren. Kein schönes Ende dieses Buch. Aber ein Hoffnungsvolles. In „Der Stadt der Sehenden“ wird erstmalig der kollektive Aufstand – ne, die kollektive Verweigerung der Führung und die Selbstorganisation geprobt. Daß es schief ging, lag nicht an den Bewohnern, sondern daran, daß nur eine Stadt mitmachte.

Leseempfehung:  Die Stadt der Sehenden 

Es lohnt sich auch besonders den Beitrag von luckyhans nochmals zu verinnerlichen – öfter ein Fernrohr meiner Gedanken.  https://bumibahagia.com/2017/09/10/interessen-geleitet-2/

„Mein Aufruf ergeht an alle, die sich hinreichend mit dem heutigen mehrschichtigen Lügensystem beschäftigt haben und dieses weitgehend durchschaut haben.

Für einen neuen Ansatz schlage ich vor, sich ausführlicher den Werken der ursprünglichen Anarchisten zu nähern, wie Etienne de la Boetie, Max Stirner und natürlich Pierre Joseph Proudhon und Michail Bakunin, vielleicht auch Kropotkin oder Zenker, heute den Vorträgen von Horst Stowasser und Christian Felber, und sich auch mit der Geschichte der sog. Anarcho-Syndikalisten zu befassen, zum Beispiel bei Rudolf Rocker.

Und dann sich auf die natürlichen Verhältnisse und Vorgänge zu besinnen, die uns Mutter Natur jeden Tag wieder demonstriert und deren langfristige Stabilität uns nur Vorbild sein kann, egal ob es Wachstumsprozesse oder hochkomplexe Vernetzungen betrifft.“

Wer seine Stimme abgibt, gibt sein Leben in fremde Hände.

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